Spülbohrungen
Die gesteuerte Bohrtechnik hat einen enormen Aufschwung erfahren. Gesteuerte Bohreinsätze, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schienen, gehören heute zum Baustellenalltag. Der Einsatz gesteuerter TT-Bohranlagen ermöglicht Längsverlegungen bis 500 m. Auch Flussdükerungen bzw. Gewässerkreuzungen werden häufig durchgeführt. Die Steuerungstechnik erlaubt sogar die Unterbohrung von Industriekomplexen. Das Anwendungsspektrum erstreckt sich auf alle Rohrbaumaßnahmen im Rahmen der Gas-, Fernwärme- und Trinkwasserversorgung, der Verlegung von Abwasserdruckleitungen sowie Kabelschutzrohren für TV- oder Telekommunikation, Verkehrsleitsystemen, Notrufsäulen oder für Nieder-, Mittel-, Hochspannungskabel und Lichtwellenleiter.
Der Ablauf einer Bohrung sieht in der Regel wie folgt aus:
- Planung / Vorerkundung
- Bohrgeräte- und Bohrwerkzeugauswahl
- Pilotbohrung mit Ortung
- Räumbohrung(en) oder Aufweitbohrung(en)
- Rohreinzug
Grundsätzlich besteht die Bohranlage aus 3 Haupt-System-Komponenten:
- Bohrlafette / Bohrwerkzeug
- Bentonitmischanlage mit einem Zweikammersystem und ggf. Recyclingsystem
- Hydraulikstation für Betrieb der Bentonitmischanlage
Die hohen Anforderungen und Erwartungen an die zu bewältigenden Bohraufgaben erfordern eine präzise Ortung und Steuerung. Die Ortung erfolgt nach dem Sender-Empfänger-Prinzip. Die Bohrcrew überwacht permanent den Lauf des Bohrkopfes. Alle gemessenen Werte werden protokolliert sowie Steuerkorrekturen dem Maschinenführer per Funk übermittelt. Die festgestellten Daten können aber auch direkt abgespeichert und später über einen PC oder Laptop ausgedruckt werden. Die Steuerung erfolgt nach dem Uhrzeigerprinzip über die Schrägfläche des Kopfes, die je nach Stellung eine Richtungsänderung in der gewünschten "Uhrzeit" bewirkt. Am Ziel wird der Bohrkopf gegen einen Aufweitkopf ausgetauscht. Es folgt eine oder mehrere Zwischenräumung(en) oder der sofortige Rohreinzug. Es können Rohre bis (derzeit) DA 600 aus Kunststoff, Stahl und Guss eingezogen werden, einzeln oder im Bündel eingezogen werden. Bei dem Einzug von Kunststoffrohren (insbesondere Gas- und Trinkwasserleitungen) dürfen die zulässigen Zugkräfte gemäß GW 321, 322 und 323 nicht überbeansprucht werden. Auf Verlangen des Auftraggebers sind die auf das Rohr einwirkenden Zugkräfte zu messen und zu protokollieren. Eine einfache Zugkraftmesseinrichtung von Tracto-Technik angeboten.
Ebenso kann die exakte Lage der Leitung nach Abschluss der Bohrmaßnahme mit dem Grundocontrol von Tracto-Technik vermessen werden. Das Horizontalspülbohrverfahren ist in der GW 304 Rohrvortrieb bzw. ATV-A 125 den einschlägigen Regelwerken beschrieben.
Verfahrensvorteile:
- kein Aufbruch wertvoller Oberflächen und keine Oberflächenbeschädigung (Straßenbelag, Vorgärten etc.) und keine Wiederherstellung - dadurch hohe wirtschaftliche Vorteile
- geringe Sozialkosten durch Vermeidung von Umleitungen, halbseitigen Sperrungen, Aufstellen von Signalanlagen etc.
- anerkanntes Verfahren
- kurze Rüstzeiten - kurze Bohr- und Bauzeiten
- besonders wirtschaftlich bei Dükerungen
- die Unterstützung durch das dynamisch schlagende Hammerwerk erleichtert den Vortrieb und die Steuerbarkeit in Böden bis Bodenklasse 5, teilweise bis Bodenklasse 6
- einfache Verfahrenstechnik
- Zugkraftmessung und Lagebestimmung möglich
- breites Anwendungsspektrum